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Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund.

Euro Shoe findet die richtige Passform
für die Lieferung von 23 Mio Artikeln im Jahr

Peter Bimmermann, Vanderlande Industries, Mönchengladbach

Euro Shoe ist ein bekannter Filialist in Belgien und in den Niederlanden. Bis vor kurzem wurden die Geschäfte des Unternehmens von 2 separaten Distributionszentren beliefert. Heute operiert Euro Shoe von einer einzigen modernen Einrichtung in Beringen, (ca. 80 km nord-östlich von Brüssel) Belgien aus, von wo aus 23 Millionen Artikel zu 530 Filialen geliefert werden.


Bild 1: Konsolidierung im Wareneingang.


Bild 2: Batch Pick Bereich: Paar-Kartons werden zur Fördertechnik gebracht.


Bild 3: Pick to belt Bereich: Paar-Kartons werden zum Sorter transportiert.


Bild 4: Auftrags-Konsolidierung, eine Filiale pro Sortierausgang.


Bild 5: Zwei Ausgangsbahnen pro Sortierausgang: Einer für Umkartons und einer für Paar-Kartons.


Vanderlande Industries GmbH
Krefelder Straße 699
41066 Mönchengladbach

www.vanderlande.com
info@vanderlande.de

Geschäftsführer:
Matthias Kramm

Verkauf: John Ridgeway

Tel.: +49 (0)2161 / 68 00 0
Fax: +49 (0)2161 / 68 00 100

Unternehmens-Portrait

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Euro Shoe Unie ist in den Niederlanden unter den Marken Van Woensel und Bristol bekannt. In Belgien hält das Unternehmen verschiedene bekannte Markennamen, wie Avance, Primo, Shoe Discount und Shoes in the Box. Bis vor kurzem wurden die Geschäfte in den beiden Ländern jeweils von ihrem eigenen Distributionszentrum aus beliefert. Belgische Geschäfte wurden von Diest aus beliefert, holländische Geschäfte von Zwanenburg. Die vorhandenen Verteilzentren waren nicht automatisiert und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Aus diesem Grunde nahm das Unternehmen Kontakt mit Vanderlande Industries auf, um die Geschäftsabläufe zu überprüfen und Vorschläge für eine Optimierung auszuarbeiten. Dies führte im Jahr 2002 zu der Entscheidung, die operativen Tätigkeiten in einem neuen Distributionszentrum in Beringen-Zuid, Belgien, zu zentralisieren. Mit dieser Entscheidung wurde der Startschuß für tiefgreifende Änderungen in der Logistik von Euro Shoe gegeben.

Das neue Lager hat eine Größe von 22.000 m2 sowie 35.000 m2 Betriebsfläche verteilt auf mehrere Ebenen. Die Anordnung ermöglicht ein hocheffizientes Warenhandling, so dass Produkte schnell versandt werden können.

Die Waren gelangen über die Straße oder per Schiff zum Zentrallager. Bei der Standortentscheidung wurde Wert auf die Multimodalität gelegt und durch die Lage direkt am Kanal ist es möglich, ankommende Waren in Containern am eigenen Terminal zu entladen. Dies ist besonders günstig während der Hochsaison, wenn mehr als 30 Container jede Woche entladen werden müssen. Für die Systemauslegung war auch ein wesentliches Kriterium, eine riesige Warenmenge im Wareneingang gleichzeit bearbeiten zu können. Zu jedem eingehenden Container erhält Euro Shoe eine Woche zuvor eine vorgezogene Versandmitteilung, so dass rechtzeitig der Personaleinsatz geplant werden kann. Dies ist wichtig, damit Euro Shoe immer zur rechten Zeit die ausreichende Anzahl von Mitarbeitern zur Verfügung hat.

Im Wareneingang wird die Ware an acht Lade-/Entladedocks entladen. Paletten werden mittels automatischer Fördertechnik entladen und automatisch nach Artikel sortiert. Ungefähr 80% der Ware wird palettiert und in Palettenregalen gelagert. Das Palettenlager umfasst 3.240 Palettenstellplätze und 1.080 Pickplätze. Die anderen 20% gehen in das Hochregallager mit 7.000 Palettenstellplätzen. Einzelne Paar-Kartons gehen ins Fachbodenregal, dass mit einer Kapazität von für 550.000 Schuhkartons ausreichend groß dimensioniert ist. Einzelne Artikel, wie Textilien, die ebenfalls zum Produktsortiment zählen, werden in Körben gelagert.

Die Kommissionierung findet in 6 Kommissionierwellen pro Tag statt. Jede Welle umfasst ungefähr 40 Filialen, was bedeutet, dass für ungefähr 240 Geschäfte an jedem Tag kommissioniert wird. Die Kommissionierwellen für die holländischen Geschäfte werden hauptsächlich morgens ausgeführt, wo hin gegen das Kommissionieren für die belgischen Geschäfte grundsätzlich am Nachmittag und Abend ausgeführt wird. Jedes Geschäft wird zweimal und manchmal sogar dreimal in der Woche beliefert.

Nach dem Kommissionieren der Ware legt der Bediener die Artikel auf den Förderer, der diese dann zu einer der 40 Ausschleusungen bringt. Jede dieser Ausschleusungen hat 2 Kanäle, einen für Umkartons aus den Durchlaufregalen kommend und eine für Einzelpaarbehälter. Die Bediener kommissionieren erst die schwereren Umkartons in Rollcontainer und dann die Einzelpaarbehälter. Die Rollcontainer werden dann von LKW aufgenommen, um das Gebäude über einen der 14 Ausgangsdocks zu verlassen. Euro Shoe kümmert sich ebenfalls um Retouren und den Transportfluss zwischen den Filialen.

Bart Rayen ist Leiter der Finanzabteilung bei Euro Shoe Unie und die treibende Kraft hinter diesem Projekt. Er erklärt, wie das neue Distributionszentrum geplant wurde und wie es heute läuft. "Das große Volumen, das wir abzuwickeln hatten, brachte uns zu der Erkenntnis, dass es besser wäre, einen einzigen Standort zu haben. Zwei Standorte zu automatisieren würde sich für uns nicht rechnen. Wir entschieden uns, unsere zentralen Abläufe in Belgien anzusiedeln. Wir wählten einen Standort, der nicht weit von unserem existierenden Gebäude entfernt war, so dass wir unser Stammpersonal behalten konnten. Der neue Standort bot die erforderliche Fläche und war in der Nähe eines Kanals, was uns den zusätzlichen Vorteil des Warentransportes zu Wasser bot."

Nachdem die Entscheidung zur Zentralisierung der Distributionsaktivitäten gefallen war, ging alles sehr schnell. Das Grundstück wurde gekauft und gleichzeitig bereits das Konzept für das Distributionszentrum entwickelt. Die gesamte Niederlassung wurde nach diesem Konzept errichtet.

B. Rayen: "Wir wollten das gesamte Lager im Juli 2004 fertig gestellt und in Betrieb haben. Das war eine ziemliche Herausforderung, da wir das Gebäude errichten und die komplette Automation zusammenstellen mussten, und das alles innerhalb eines Jahres. Darüber hinaus hatten wir uns gerade entschieden, unsere Transportaktivitäten von da an an einen einzelnen Spediteur auszusourcen. Und zu guter letzt stellten wir zu dieser Zeit gerade unsere IT-Systeme auf SAP um."

Zwei unterschiedliche Warenströme
B. Rayen: Wir haben zwei völlig unterschiedliche Warenströme - die wir als Push und Pull bezeichnen, was eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung des Konzeptes spielte. Jeweils zu Beginn der Sommer- und der Wintersaison werden unsere Kollektionen an unsere Filialen "hinaus gestoßen" (Push). Unsere Kollektionen umfassen nicht nur Schuhe und Stiefel, sondern auch Kleidungsstücke und Accessoires. Achtzig Prozent der ankommenden Ware verlässt unsere Niederlassung innerhalb von drei Tagen wieder. Die Waren werden oft in vorgepackten Kartons angeliefert, die zehn Schuhpaare mit der gleichen Referenz, aber in unterschiedlichen Größen enthalten. Wenn die Verkäufe richtig angelaufen sind, füllen wir unsere Filialen wieder auf. Dies geschieht mittels Registrierkassen-Software - die auch neu eingeführt wurde - welche an das zentrale SAP-System angebunden ist. Sobald ein Minimum des Warenbestands in einer Filiale erreicht ist, wird vom SAP-System ein Auftrag generiert, der den Nachschub anstößt (Pull). Am Ende der Saison versuchen wir, so viele verbliebene Waren wie möglich wieder an die Läden 'hinaus zu stoßen", um diese in Schlussverkäufen zu veräußern (Push)."

Das für das Distributionszentrum gewählte Konzept wurde in Zusammenarbeit mit Vanderlande Industries entwickelt. B. Rayen: "Ein weiteres Konzept war ein Cross-Docking-System zu implementieren. Aber Simulationen zeigten, dass wir, verglichen mit dem realisierten Konzept von Vanderlande Industries eine mindestens doppelt so große Fläche für dieses Konzept benötigen würden. Wir haben jetzt einen sehr kurzen Pufferbestand im Durchgangslager, aber dieses System ist sehr viel effizienter für uns. Darüber hinaus verfügt Vanderlande Industries über weit reichende Erfahrung in der Schuhindustrie und den nicht so einfach zu beherrschenden Prozessen. Das war sehr wichtig für uns."

"Unser gesamtes Lager ist RF-(Funk-)gesteuert. Wir entschieden uns für SAP LES als Lagerverwaltungssystem (LVS). Diese Entscheidung ist uns leicht gefallen: da wir bereits über ein SAP ERP-System verfügten, würde die Integration kein Problem darstellen. Wir waren davon überzeugt, dass das SAP LVS für unsere Anwendungen ausreichend sein würde. Mit ihrer VISIONTM Logistics Software Suite hat Vanderlande Industries SAP LES an die logistischen Systeme in unserem Distributionszentrum angebunden."

Ein System - viele Herausforderungen
B. Rayen: "Obgleich es eine Herausforderung war, kamen wir ganz gut durch die Anlaufphase und das mit einer völlig neuen Niederlassung, einem neuen automatisierten Materialflusssystem, einem neuen ERP-System, einem neuen LVS, einem neuen Spediteur und neuer Belegschaft. Wir mussten mit der Lieferung unserer Winterkollektion im Juli 2004 beginnen, dass heißt, wir wurden sofort ins kalte Wasser geworfen. In den ersten beiden Wochen hatten wir einige Probleme aufgrund von mangelnder Erfahrung und Arbeitsüberlastung. Danach lief alles ganz gut. Zur Zeit der offiziellen Eröffnung Mitte September lief das Lager entsprechend unseren Erwartungen. Zu dieser Zeit entschieden wir uns dennoch, die belgischen Aktivitäten nicht schon in der nächsten Saison in das neue Distributionszentrum zu integrieren. Stattdessen entschieden wir uns, bis Ende 2005 zu warten, wenn alle noch ausstehenden Punkte beim Logistiksystem und der SAP Software abgearbeitet sein würden. Es waren geringfügige Dinge, aber sie mussten gelöst werden. Unsere Belegschaft brauchte auch etwas Zeit, sich an die Veränderungen und an das neue System voll und ganz zu gewöhnen. Nach der zweiten Spitzenperiode stellten wir nochmals eine beträchtliche Steigerung der Wirtschaftlichkeit fest. In der Zwischenzeit war auch der Umzug der belgischen Aktivitäten abgeschlossen. Das war auch eine sehr arbeitsreiche Zeit und alles andere als leicht, da die Leute, die aus Diest kamen, plötzlich in Schichten arbeiten mussten. Dies bedeutete auch, dass wir uns mit den Gewerkschaften beraten mussten, da sich die Arbeitsbedingungen geändert hatten."

Der gleichzeitige Wechsel zu einem externen Spediteur erforderte auch einige bedeutende Anpassungen, insbesondere für die Eigentümer der Filialläden. B. Rayen: "Die Waren werden jetzt in Rollcontainern angeliefert, was früher nicht der Fall war. Die Läden müssen in der Lage sein, die Rollcontainer hinein zu fahren. Wenn sie entladen worden sind, müssen sie zusammengeklappt und dem nächsten Fahrer, der vorbeikommt, mitgegeben werden. Unser Personal musste lernen, wie man einen Rollcontainer effizient befüllt. Obwohl das neue System bereits wie erwartet arbeitet, ist sich Euro Shoe sicher, dass die Effektivität pro Mitarbeiter noch bedeutend gesteigert werden kann.

B. Rayen: "Bisher haben wir bei kleinerer Ineffizienz ein Auge zugedrückt, da wir zuerst sicherstellen wollten, dass die Ware am richtigen Ort und zur richtigen Zeit ist. Aber wir sind überzeugt, dass Verbesserungen durchgeführt werden können, insbesondere in der Detail-Organisation des Kommissionierprozesses. Wir verlieren immer noch Zeit beim Batchwechsel zwischen den einzelnen Kommissionierwellen. Wir beginnen nun, unsere Tätigkeiten gemeinsam mit Vanderlande Industries zu optimieren."

"Wir schätzen, dass die komplette Investition, inklusive neuem Gebäude, in nur sieben Jahren durch Einsparungen alleine bei den Personalkosten amortisiert ist. Zieht man in Betracht, dass der Verkauf des alten Gebäudes in Diest Vermögen bringt und dass die laufenden Kosten des Distributionszentrum nun viel geringer sind, so schätzen wir, dass die tatsächliche Amortisationsdauer fünf Jahre beträgt.

Letzten Endes wird die Einrichtung mit 80 Mitarbeitern in zwei Schichten in Spitzenzeiten und mit 50 Mitarbeitern in zwei Schichten in ruhigeren Phasen laufen. Bisher wurde diese Zahl überschritten, indem zu viele Zeitarbeiter, hauptsächlich in Spitzenzeiten eingestellt wurden, um das Volumen zu handhaben. "Die Tatsache, dass man in bestimmten strategischen Positionen nicht immer Stammpersonal einsetzen kann, führt zu Fehlern", erklärt Bart Rayen.

Euro Shoe untersucht nun die Möglichkeiten die Abläufe weiter zu optimieren.
B. Rayen: "Im Moment werden die Durchlaufregale nur in Spitzenzeiten für die erste Sortierung der Ware für die Geschäfte eingesetzt. Das bedeutet, dass sie ungefähr ein halbes Jahr lang nicht genutzt werden. Dies ist der Grund, warum wir überlegen, diese teilweise auch für die Lagerauffüllung zu verwenden. Dies würde eine Menge Zeit sparen, da wir weniger oft vom Hochregallager kommissionieren müssten. Vorausgesetzt, dass wir sicherstellen, dass alle Nachschubpaletten in Spitzenzeiten aus den Durchlaufregalen entfernt wurden, könnte dies funktionieren. Wir würden ebenso gerne den Bereich mit den Körben verkleinern, da dies sehr arbeitsintensiv ist, insbesondere was geringwertige Ware betrifft. Wir haben gerade einen neuen Logistikmanager eingestellt, um diese Ideen weiter zu untersuchen und zu entwickeln."

Systemdaten im Überblick

Wareneingang: DISTRISORTER ca. 3.000 Kartons/h
Versand: DISTRISORTER ca. 3.000 Kartons/h für vorverpackte Ware
SHOEBOXORTER ca. 4.000 Kartons/h für Paar-Kartons
Lager: Palettenlager 7.000 Stellplätze
Kommissionierung: 1.080 Pickplätze
Palettendurchlaufregale: 3.240 Palettenstellplätze
Regalbereich: 8.000 m² für Paar-Kartons,
4.000 m² für Textilien, Zubehör und andere Artikel
Batch-Kommissionierung, 6 Batches/Tag; 40 Filialen je Batch

Gebäude: Grundfläche 22.000 m², über mehrere Ebenen verteilt, 35.000 m² Betriebsfläche



 
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