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Industriethermografie
Schwachstellen erkennen, bevor sie zum Problem
werden
Ein Fachartikel von Thomas Gebbert, Vanderlande Industries, Februar
2011
Jeder Betreiber einer technischen Anlage, die elektrische
und bewegliche Komponenten enthält, sucht nach einer zuverlässigen
Methode zur Erkennung des optimalen Zeitpunktes, um Verschleißteile
zu tauschen bevor sie zu einem Systemstillstand führen.
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Thomas Gebbert
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Bei den meisten Logistiksystemen sieht die aktuelle Situation derart
aus, dass ein Komponententausch entweder zu früh oder zu spät
erfolgt, da die Wahl des Zeitpunktes mehr auf Erfahrungswerten als auf
Messergebnissen beruht. Mit Hilfe von thermografischen Aufnahmen ist es
möglich, Daten über den Zustand von einzelnen Elementen wie
z.B. beweglichen Komponenten eines Materialflusssystems zu erhalten.
Was ist Thermografie eigentlich?
Unter Thermografieren versteht man das Sichtbarmachen der Eigen-strahlung
von Objekten, die abhängig von der Temperatur und der Oberflächenbeschaffenheit
ist. Hierbei handelt es sich um ein berührungsloses Messverfahren,
das schnell, genau und bildgebend die thermische Oberflächenempfindlichkeit
von Körpern erfasst.
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| Elektrik Infrarotaufnahme. |
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| Elektrik visuell betrachtet. |
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Das menschliche Auge erkennt elektromag-netische Strahlung als Licht.
Das heißt, es kann Objekte also nur als die reflektierte Strahlung
des Objektes erfassen und benötigt dabei immer die Beleuchtung des
Objektes durch eine Lichtquelle. Jedes Objekt sendet aber auch eigene
elektromagnetische Strahlen aus, die für das Auge unsichtbar sind.
Eine Klassifizierung der elektromagnetischen Strahlung erfolgt über
ein großes Spektrum von Wellenlängen. Das menschliche Auge
ist in der Lage, Licht mit Wellenlängen im Bereich von 0,4 µm
bis 0,75 µm zu erkennen. Der überwiegende Teil der abgegebenen
Wärmestrahlung liegt aber oberhalb dieses Bereiches. Strahlung mit
einer Wellenlänge ab 0,75 µm bis 1.000 µm wird als infrarote
Strahlung bezeichnet, wobei für die thermische Erfassung Wellenlängen
bis maximal 14 µm relevant sind. Als Erkenntnis aus den Strahlungsgesetzen,
die u.a. eine Beziehung zwischen elektromagnetischer Strahlung und der
Temperatur nachweisen, ergibt sich, dass für die Messung von Temperaturen
bis 300°C Wellenlängen im Bereich von 8 µm bis 12 µm
erfasst werden müssen.
Für das Sichtbarmachen von elektromagnetischer Strahlung dieser
Wellenlängen werden Wärmebildkameras verwendet, die über
Strahlungsdetektoren für den genannten Wellen-längenbereich
verfügen. Diese erfassen die Intensität der Infrarotstrahlung,
die von dem Objekt ausgeht, und erzeugen ein so genanntes Falschfarbenbild,
in dem höhere Intensitäten höheren Temperaturen zugeordnet
sind. Diese Temperaturen sind immer nur die Oberflächen-temperaturen
des Messobjektes, ein "Hineinsehen" in ein Objekt ist nicht
möglich.
Wie entstehen Wärmebilder?
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| Kabel Infrarotaufnahme. |
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| Kabel visuell betrachtet. |
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Wärmebildkameras erfassen die elektromag-netische Strahlung, die
ein Objekt aussendet. Diese Strahlung ist proportional zu der aufgenommenen
(absorbierten) Strahlung.
Um eine möglichst genaue Messung zu erhalten, darf möglichst
nur die Eigenstrahlung des zu messenden Körpers erfasst werden. Allerdings
werden in der Praxis neben der emittierten Eigenstrahlung des Messkörpers
auch die reflektierte Strahlung und die trans-mittierte Strahlung im Sichtbereich
der Kamera liegender Objekte mit erfasst.
Die Gesamtstrahlung eines Körpers setzt sich somit aus den drei
Komponenten Emission, Reflexion und Transmission zusammen. Unter der Maßgabe,
dass die meisten Materialien für Infrarot-Strahlung undurchlässig
sind, ist der Transmissionsanteil zu vernachlässigen. Die von der
Kamera gemessene Strahlung ergibt sich also als Summe von emittierter
und reflektierter Strahlung.
Der Anteil der reflektierten Temperatur addiert sich also zu der Eigenstrahlung
und verfälscht somit die Messung. Der Messfehler ist umso kleiner,
je höher der Emissionsanteil ist.
Als Maß für die Fähigkeit eines Materials Infrarot-Strahlung
auszusenden, wird der Emissions-grad verwendet. Dieser ist abhängig
von dem Material, der Oberflächenbeschaffenheit und dem Beobachtungswinkel:
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| Elektromotor Infrarotaufnahme. |
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| Elektromotor visuell betrachtet. |
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Nichtmetallische Materialien verfügen über einen hohen Emissionsgrad,
z.B. Holz zwischen 0,8 und 0,9, während metallische Gegenstände
einen niedrigen und auch noch temperatur-abhängigen Emissionsgrad
aufweisen. Der Emissionsgrad sinkt, wenn der Körper eine glatte oder
glänzende Oberfläche aufweist. Jede Wärmebildkamera bietet
die Möglichkeit, den Emissionsgrad manuell einzustellen.
Damit das Messergebnis also möglichst exakt wird, sind eine möglichst
genaue Kenntnis und Einschätzung der Oberfläche des zu messenden
Körpers sowie die korrekte Einstellung des Emissionsgrades in der
Wärmebildkamera unerlässlich.
Wie setzt Vanderlande Industries die Thermografie ein?
Das Bestreben von Vanderlande Industries zielt konsequent in die Richtung,
seinen Kunden auch nach Inbetriebnahme der Förder- und Sortieranlage
die bestmögliche Betreuung anzubieten. Unter dieser Prämisse
erweitert Vanderlande Industries sein Service-Portfolio und bietet ab
sofort thermografische Aufnahmen von mechanischen und elektromechanischen
Komponenten zur Erkennung von bestehenden Schäden sowie zur Identifizierung
von potentiellen Problemquellen. Mit dieser innovativen Methode besteht
für den Systembetreiber die Möglichkeit, Informationen über
sein System zu erhalten, auf deren Basis der Austausch von Komponenten
planbar wird. Die Anzahl der schadensbedingten Systemstillstände
und der damit verbundenen Adhoc-Reparaturen wird reduziert und die Systemverfügbarkeit
erhöht.
Das speziell ausgebildete technische Personal von Vanderlande Industries
erstellt thermo-grafische Aufnahmen von mechanischen und elektromechanischen
Systemkomponenten.
Im Bereich der mechanischen Teile werden bevorzugt Objekte thermografiert,
die entweder schwer zugänglich sind - und somit im unerwarteten Schadensfall
einen längeren Systemausfall mit sich bringen - oder für den
Materialfluss unverzichtbar sind und entsprechend einen Systemstillstand
erzeugen können.
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| Schaltschrank Infrarotaufnahme. |
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| Schaltschrank visuell betrachtet. |
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Während bei beweglichen Teilen eine eventuelle Geräuschentwicklung
auf einen sich anbahnenden Schaden hindeutet, gibt es bei elektromechanischen
Komponenten keinen Indikator zur frühzeitigen Erkennung von Komponentenausfällen.
Wärmebilder von Schaltschränken dienen also dazu, Unregelmäßigkeiten
bei Relais oder Schützen rechtzeitig zu erkennen.
Neben der Erkennung aktuell anstehender Probleme, wie z.B. höhere
Übergangswider-stände bei losen Klemmen oder unnatürlich
hohe Lagertemperaturen, ermöglicht die Thermografie Langzeitdiagnosen.
Um die Alterung von Bauteilen rechtzeitig feststellen zu können,
ist die regelmäßige Thermografie der Objekte notwendig. Voraussetzung
für eine vergleichbare Auswertung und eine damit verbundene Trenddarstellung
ist die Aufnahme des Objektes aus immer dem gleichen Blickwinkel. Hierzu
wird immer zeitgleich zu dem Wärmebild auch ein Digitalbild erstellt.
Vor der Durchführung der Thermografie werden in Absprache mit dem
Betreiber sowohl die zu fotografierenden Elemente als auch der Wiederholungszyklus
der Aufnahmen festgelegt. Während der Durchführung von thermografischen
Aufnahmen kommt es zu keinerlei Beeinträchtigungen des Sortierprozesses,
da die Messmethode zum einen berührungslos arbeitet, zum anderen
aber auch ein unter Last arbeitendes System verlangt. Als Abschluss einer
thermografischen Untersuchung eines Systems wird dem Betreiber ein aussagekräftiger
Bericht übergeben.
Vanderlande Industries verwendet Kameras des Typs 335T der Flir Systems
GmbH, die in dem Bereich als Weltmarktführer gilt und freundlicherweise
die in diesem Artikel verwendeten Bilder zur Verfügung gestellt hat.
Vanderlande Industries GmbH
Krefelder Straße 699
41066 Mönchengladbach
www.vanderlande.com
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