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Eine allgemeingültige Definition des Begriffs Logistikimmobilie
gibt es nicht. Da die Immobilie von ihrer Nutzung innerhalb der Logistikkette
abhängig ist, gibt es eine Vielzahl von Gestaltungsvarianten. Wenn
man den Markt betrachtet, kann man aber von Immobilientypen sprechen,
welche die Parameter der Logistikbranche erfüllen. So zeichnen sich
Lagerhallen durch eingeschossige Bauweise mit großen Dachspannweiten
aus, um eine möglichst stützenfreie Fläche zu erhalten.
Die Gebäudehöhe liegt zwischen 8 und 14 m, die Fläche zwischen
15 000 bis 30 000 m2. Ein kleiner Büroflächenanteil sowie die
Andienung über Rampen und ausreichend Rangierfläche sind Standard.
Wird die Logistikimmobilie für die Sortierung und den Umschlag von
Waren genutzt, sind kleinere Abmessungen und Höhen gängig. Das
Hallenlayout wird durch den Materialfluss bestimmt. Werden an dem Standort
Zusatzdienstleistungen angeboten, müssen sich die Größen
funktionsgerecht verändern.
Allgemein gilt ja die Lage als das ausschlaggebende Kriterium für
die Standortwahl. Welche anderen Faktoren müssen Logistikunternehmen
darüber hinaus in ihr Kalkül einbeziehen?
Grundsätzlich muss man bei der Bewertung von Standorten makro-
und mikroskopische Faktoren berücksichtigen. Dabei beziehen sich
die makroskopischen Standortfaktoren auf den umgebenden Wirtschaftsraum.
Auf dieser Ebene ist für Logistikunternehmen vor allem die Verkehrsanbindung
über Autobahn, Schiene, See- beziehungsweise Binnenhafen und/ oder
Flughafen sowie entsprechende Umschlageinrichtungen wichtig. Zudem sind
die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und das
Lohnkostenniveau entscheidend. Steuerliche Vorteile sowie rechtliche und
administrative Rahmenbedingungen spielen eine untergeordnete Rolle, können
aber bei einem direkten Standortvergleich den letzten Ausschlag geben.
Und wie läuft diese detaillierte Suche ab? Was sind die relevanten
mikroskopischen Faktoren?
Die Detailsuche läuft sehr individuell ab. Neben den eher allgemeinen
Größen wie Grundstückspreis und Mietniveau sind vor allem
Grundstücksgröße und Zuschnitt sowie das Vorhandensein
von Expansionsflächen wichtige Faktoren. Den Stellenwert anderer
Rahmenbedingungen gewichtet jedes Unternehmen unterschiedlich: Dazu gehören
zum Beispiel eine staufreie, schnelle Anbindung an das überregionale
Verkehrsnetz, die Ausweisung eines uneingeschränkten 24-Stunden-Betriebs
im Flächennutzungsplan oder die Möglichkeit, Fördergelder
oder steuerliche Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen. In Einzelfällen
gibt es K.o.-Kriterien für eine Ansiedlung: Ein Beispiel dafür
ist die Standortverlagerung des DHL-Luftfrachtdrehkreuzes nach Leipzig/Halle
auf Grund eines drohenden Nachtflugverbots am Standort Brüssel-Zaventem.
Die unterschiedlichen Ansprüche an den Makro- und Mikro-Standort,
Grundstück und Gebäudelayout sind der Grund, dass die Logistikanlagen
bei Banken, Maklern und Investoren als Spezialimmobilie gehandelt wird.
Wie wirkt sich das auf die Finanzierung aus?
Der größte Unterschied liegt in der Standardisierung der
Bauformen. Während es für Büroimmobilien Normen für
Größe und Ausstattung gibt und der Gebäudezuschnitt eine
bedarfsgerechte Anpassung der vermieteten Fläche zulässt, variiert
die Gestaltung der Logistikimmobilien stark. Aufgrund der hohen Investitionskosten
können deren Amortisationszeiten zwischen 20 und 25 Jahren liegen.
Mietverträge werden aber häufig nur über fünf Jahre
abgeschlossen und Leasingverträge laufen meist zwischen 10 und 15
Jahren. Dadurch erhöht sich natürlich auch das Finanzierungsrisiko
für den Eigentümer, da das Gebäude eventuell eine gewisse
Zeit leer stehen könnte. Dieses Risiko wächst, je spezieller
die Logistikimmobilie gestaltet ist.
Sie haben die Anbindung des Standortes an das überregionale Verkehrsnetz
hervorgehoben. Nun entwickelt sich aber das Verkehrsaufkommen auf der
Straße bedenklich. Bezieht die Logistikbranche auch die anderen
Verkehrsträger verstärkt in die Planungen mit ein?
Der Lkw ist derzeit das Verkehrsmittel, das die hohen Ansprüche
an die Logistik, also Geschwindigkeit, Flexibilität und Preis, am
besten erfüllt. Zudem können Waren nur über die Straße
wirtschaftlich in der Fläche verteilt werden. Daher siedeln sich
Logistikunternehmen meist direkt oder in der Nähe von Autobahnzubringern
an. Die Stauproblematik wird bei der Standortsuche berücksichtigt
und hat in Verbindung mit anderen Faktoren wie Maut und Spritkosten bereim
zu einem Umdenken geführt. Da sich der Schienengüterverkehrsmarkt
auf Grund des wachsenden Angebots von privaten Leistungen positiv entwickelt,
denken immer mehr Logistikunternehmen über einen Gütertransport
per Bahn nach. ist der finanzielle Aufwand nicht unverhältnismäßig
hoch, bereiten Verlader ihre Logistikzentren für einen Anschluss
an das Bahnnetz vor. Damit halten sie sich Alternativen offen und verringern
die Abhängigkeit von einem einzigen Verkehrsträger. Berücksichtigen
die Planungen einen Gleisanschluss, fallen die Investitionen erheblich
niedriger aus.
Wie sieht es mit der Alternative Binnenschiff aus?
Die deutschen Binnenhäfen haben sich zu Logistikzentren mit
vielen positiven Standorteigenschaften entwickelt. Auch Unternehmen, die
nicht das Binnenschiff einsetzen, siedeln sich zunehmend in Hafengebieten
an, um von den Vorteilen zu profitieren. Dazu gehören die gute Verkehrsanbindung
und die Infrastruktur, das breite logistische Dienstleistungsangebot,
die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und die Ausweisung des
Areals als Sonderfläche.
Also wären die Häfen ideale Standorte. Welche Auswirkungen
hat das?
Einige deutsche Häfen klagen bereits über fehlende Freiflächen
für die Ansiedlung hafenaffiner Unternehmen. Lange Pachtverträge,
wie sie an Hafenstandorten üblich sind, erschweren ein flexibles
Flächenmanagement und somit ein schnelles Reagieren auf Veränderungen
im Logistikmarkt. Zudem wirkt sich in vielen Hafenstädten das städtebauliche
Konzepts "Wohnen am Fluss" negativ aus: Es treten vor allem
Probleme hinsichtlich der Lärmemissionen und des 24-Stunden-Betriebs
auf.
Der Logistikstandort Deutschland profitiert von der EU-Osterweiterung.
Wie reagieren die Investoren?
Die Verschiebung des geografischen Mittelpunkts der EU nach Osten
erhöht die Bedeutung Deutschlands als europäische Verkehrsdrehscheibe.
Für viele Unternehmen ist das Land als Standort für ein europäisches
Zentrallager oder Distributionszentrum attraktiver geworden. Inwieweit
dies zu einer spürbaren Verschiebung von Belgien und den Niederlanden
führt, lässt sich zurzeit aber noch nicht absehen - es bleibt
abzuwarten, wie sich die Wirtschaft in den neuen EU-Ländern entwickelt.
Aber es zeigt sich bereits, dass die Nachfrage nach größeren
Gebäuden, die als Europa-Distributionsstandorte dienen sollen, zugenommen
hat.
Jedes Logistikunternehmen ist auf der Suche nach dem idealen Standort.
Können Sie eine Empfehlung geben?
Eine allgemein gültige Aussage gibt es nicht. Jedoch hat sich
oft gezeigt, dass der Grundstückspreis von vielen Unternehmen bei
der Standortentscheidung überbewertet wird. Sinnvoller ist es, das
Augenmerk auf die Gesamtkosten der Netzstruktur sowie den Servicegrad
zu richten. Betrachtet man die operativen Kosten eines Logistiknetzes,
kann die einmalige Einsparung beim Kauf eines Grundstücks an einem
logistisch ungünstigeren Standort durch höhere Transportkosten
schnell aufgezehrt werden. Zudem kann ein schlechterer Servicegrad zu
einem Verlust von Kunden und somit zu Gewinneinbußen führen.
Generell empfehle ich daher, bei der Standortwahl die Gesamtauswirkungen
auf das logistische Netz zu betrachten.
Herr Prof. Vastag, vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person Prof. Dr. Alex Vastag
Der 45-Jährige studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in
Verbindung mit dem Zusatzstudiengang Logistik an der Universität
Dortmund mit Abschluss zum Diplom-Logistik-Kaufmann. 1997 promovierte
er zum Dr. rer. pol. an der Universität Dortmund und wurde 1999 zum
Professor an der International School of Management (ISM) ernannt. Seit
1995 ist er Leiter der Verkehrslogistik am Fraunhofer-Institut für
Materialfluss und Logistik in Dortmund (IML).
Kontakt: vastag@iml.fraunhofer.de
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