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DVZ: Herr Lampen, wie steht es um die Ladungssicherung in Deutschland?
Lampen: Es gibt noch viel zu tun, denn es fahren immer noch viele
Fahrzeuge mit völlig ungesicherter Ladung über unsere Straßen.
Vielen Verantwortlichen ist nicht bewusst, dass sie für die Ladungssicherung
zuständig sind; besonders bei den Verladern herrscht hier oft noch
Unwissenheit. Nur wenn alle für die Ladungssicherung Verantwortlichen
wie Verlader, Fahrzeugführer, Fahrzeughalter, Absender und Frachtführer
ihrer Verantwortung gerecht werden, wird sich tatsächlich etwas ändern.
Es zeichnen sich jedoch in einigen Bereichen auch deutliche Fortschritte
ab.
DVZ: Welche Bereiche sind das?
Lampen: Fortschritte in der Ladungssicherung gibt es bei Gütern,
für deren Transport konkrete Verlade- und Sicherungsanweisungen ausgearbeitet
wurden. Diese Anweisungen basieren auf der Richtlinie VDI 2700 und ihren
Folgeblättern, die sich mit speziellen Ladegütern wie zum Beispiel
Pkw-Transporten, Getränken, Betondecken oder Papierrollen befassen.
Aber auch der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung
(BGL) hat ein Praxishandbuch zur Ladungssicherung erarbeitet, das unter
anderem konkrete Verladeanweisungen für Guss- und Steinzeugrohre,
Bleche, Profil- und Stabstahl, Langholz und palettierte Ladeeinheiten
enthält. Zusätzlich gibt es noch Verladeanweisungen, die sich
einzelne Unternehmen durch Prüfinstitute und Sachverständige
ausarbeiten lassen, beispielsweise die DCE-Richtlinie 9.5 von DaimlerChrysler.
DVZ: Wo bestehen noch Defizite?
Lampen: Große Defizite gibt es in fast allen anderen Bereichen,
vom Stückgutbis zum Schwertransport, besonders aber bei Kleintransportem.
Bei Stückguttransporten kann wegen der Vielzahl der unterschiedlichen
Güter die Ladung nur durch den Fahrzeugaufbau gesichert werden. Entsprechend
stabil müssen die Aufbauten sein. Beim Schwertransport ist hingegen
eine schwere Ladung, also eine große Masse abzusichern. Das erfordert
eine Ladungssicherung, die jedoch die Vorstellungskraft vieler Anwender
in der Praxis oft übersteigt, mit der Folge, dass die Ladung häufig
nur unzureichend gesichert ist. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht das
Transportfahrzeug, denn es muss die Ladung nicht nur tragen, sondern sie
auch halten. Dazu ist eine Vielzahl hoch belastbarer Zurrpunkte erforderlich,
in die man Zurrketten einhängen kann. Eine oft unterschätzte
Risikogruppe sind schließlich die Kleintransporter. Die meisten
dieser Fahrzeuge verfügen nicht über Sicherungsmöglichkeiten
und sind für den Gütertransport ungeeignet.
DVZ: Was muss bei der Ladungssicherung unbedingt beachtet werden?
Lampen: Abzusichern sind die beim "normalen Transport",
zum Beispiel beim Anfahren, in Kurven oder beim Bremsen, wirkenden fahrdynamischen
Kräfte. Dazu muss man wissen, dass unter einem normalem Transport
auch Vollbremsungen, Ausweichmanöver und schlechte Wegstrecken zu
verstehen sind. Nach der Richtlinie VDI 2700 muss jede Ladung, unabhängig
ob im Kleintransporter, Lkw, Sattelzug oder Schwertransport, gesichert
werden. Unterschiede gibt es hier nicht.
DVZ: Wie wird das in der Praxis umgesetzt?
Lampen: Eine ausreichende Ladungssicherung ergibt sich aus der
Ergänzung von Reibungskraft und Sicherungskraft. Die Summe dieser
Kräfte muss in Fahrtrichtung mindestens 80 Prozent, zu den Seiten
und nach hinten mindestens 50 Prozent der Gewichtskraft der Ladung erreichen.
Der entscheidende Faktor für die Größe der Reibungskraft
ist der Gleit-Reibbeiwert. Die Bestimmung dieses Wertes ist schwierig
und sollte nur auf streng wissenschaftlicher Basis durchgeführt werden.
Es gibt mittlerweile allerdings eine Vielzahl von Tabellen, die Gleit-Reibbeiwerte
vieler Materialpaarungen enthalten.
DVZ: Können Sie eine Beispielrechnung zur Ladungssicherung aufzeigen?
Lampen: Beträgt der Gleit-Reibbeiwert zum Beispiel 0,3, entspricht
das 30 Prozent Ladungssicherung durch Reibungskraft. Jetzt muss nur noch
die Differenz zu den geforderten 80 Prozent nach vom beziehungsweise zu
den geforderten 50 Prozent zu den Seiten und nach hinten errechnet werden,
und man erhält die noch erforderliche Sicherungskraft. Wie diese
Sicherungskraft aufgebracht wird, ist nicht vorgeschrieben. Sie kann zum
Beispiel durch eine formschlüssige Verladung in einem ausreichend
stabilen Fahrzeugaufbau oder durch Zurrmittel beziehungsweise Hilfsmittel
erreicht werden.
DVZ: Das hört sich schwierig an; haben Sie ein paar einfache
Tipps?
Lampen: Es ist immer empfehlenswert, die Reibung zu erhöhen.
Rutschhemmende Materialien leisten dabei ausgezeichnete Dienste. Zusätzlich
sollte man eine formschlüssige Beladung anstreben. Ist das nicht
möglich, bietet sich eine Direktzurrung zum Beispiel eine Kopfchlinge
an. Das Niederzurren ist in der Regel die schlechteste Sicherungsart.
DVZ: Was sollte man beachten, wenn man die Ladungssicherung gründlich
erlernen will?
Lampen: Ladungssicherung lernt man nicht in ein paar Stunden.
Eine fundierte Ausbildung braucht Zeit. Der VDI hat die Richtlinie 2700a,
"Ausbildungsnachweis Ladungssicherung" erarbeitet. Auf dieser
Basis werden Seminare angeboten, die einen Zeitraum von mindestens 16
Unterrichtseinheiten umfassen und dabei in Theorie und Praxis auf alle
relevanten Themenbereiche eingehen. Wenn ein Seminar von einem seriösen
Anbieter organisiert und vielleicht sogar noch von einem DVR-zertifizierten
Moderator für Ladungssicherung durchgeführt wird, ist die Basis
gelegt. Kursgebühren zahlen sich schnell aus.
DVZ: Herr Lampen, vielen Dank für das Gespräch.
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