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Entscheidend ist zunächst ein intelligentes Layout, das sowohl den
leistungsbestimmenden Parametern als auch den Mehrwertfunktionen in der
Systemarchitektur des Hubs Rechnung trägt. Darüber hinaus spielen
die Materialfluss-, Sortier- und Ident-Technik sowie die Steuerungs- und
IT-Systeme eine wichtige Rolle. Wichtig sind aber auch die Abmessungen
der zu sortierenden Güter. Denn Änderungen in den Paket-Abmessungen
wirken sich entscheidend auf die Fördertechnik aller Hubs aus, die
zum jeweiligen Logistiknetzwerk gehören. Wird dies in der Systemarchitektur
nicht von Anfang an berücksichtigt, steigt die Rate der nicht automatisch
förder- und sortierbaren Güter dramatisch an.
Warum sind die Mehrwertfunktionen so wichtig?
Logistikdienstleister positionieren sich über die Mehrwertfunktionen
beziehungsweise den Servicegrad am Markt. Der Servicegrad definiert sich
über wichtige Faktoren wie Zustellgenauigkeit, Geschwindigkeit sowie
Abhol- und Liefertermine, aber auch über ein transparentes Tracking
& Tracing und die möglichen Paketabmessungen beziehungsweise
-gewichte. Darüber hinaus müssen Mehrwertdienstleistungen wie
Preisauszeichnung, Aufstell- und Inbetriebnahmeservice sowie die Retourenbearbeitung
von Anfang an als Parameter im Hub-System abgebildet sein.
Wie werden diese Funktionen in der Praxis umgesetzt und welche technischen
Parameter haben den größten Einfluss auf die Hub-Leistung?
Erheblichen Einfluss auf die Leistung beziehungsweise die Förderfähigkeitsrate
der Güter hat die Förder- und Sortiertechnik. Hier bietet der
Markt eine Vielzahl von Lösungen: Neben speziell für die Anforderungen
in Hubs entwickelten Vertikal-Sortern auf Gurtfördererbasis für
die Vorsortierung stehen Linien, Kippschalen- und Quergurt-Sorter zur
Wahl. Diese Techniken bieten die Grundlage für die automatisierte
Sortierung nahezu aller Güter. Hohe Leistungen bis zu 24 000 Colli
pro Stunde bieten beispielsweise Sorter, bei denen zwei oder mehrere Kippelemente
bei Bedarf als Einheit angesteuert werden können, um größere
Gebinde problemlos zu sortieren.
Gilt das für jedes Produktspektrum?
Je größer die Bandbreite in den Paketabmessungen ist, umso
sinnvoller ist der Einsatz eines Sorters mit kleinem Teilungsmaß
und variablen Fenstergrößen. Daneben besteht ein Trend zum
Quergurt-Sorter, der in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis
gegenüber der Kippschale aufgeholt hat und auch sehr empfindliche
Güter schonend ausschleusen kann.
Jeder Sorter ist nur so gut wie sein Subsystem. Was müssen diese
leisten, um ein Maximum an Durchsatz zu gewährleisten?
Grundsätzlich benötigen alle Sortiersysteme für den einwandfreien
Betrieb Subsysteme, die das Sortiergut auf den erforderlichen Mindestabstand
bringen. Die Systeme beschicken den Sorter, überprüfen Konturen
und Gewichte und verfolgen die Wege des Sortiergutes innerhalb des Hubs.
Nicht zuletzt benötigt ein Sortiersystem eine intelligente, prozessunterstützende
Steuerung beziehungsweise Programme, die Unternehmen beim Cross Docking
oder der Filial-Distribution durchgängig unterstützten.
Welche Vorteile bieten solche Programme?
Sie sorgen in der Regel dafür, dass alle erforderlichen Prozessschritte,
zum Beispiel die Depalettierung oder Batch-Bildung, exakt auf die Umschlagbedürfnisse
abgestimmt werden. So lässt sich beispielsweise durch warengruppenreine
Lieferung sowie die genaue Generierung von Belegen die Arbeit in den Filialen
bei der Warenannahme und Verteilung im Geschäft optimieren. Die Fehlerrate
verringert sich auf nahezu null Prozent. Außerdem erübrigt
sich in den meisten Fällen die Wareneingangskontrolle in einer Filiale.
Die technischen Möglichkeiten innerhalb von Hubs sind bereits
heute weit entwickelt. Welche technischen und organisatorischen Entwicklungen
könnten trotzdem die Prozesse noch effizienter machen?
Zum einen werden leistungsfähigere IT-Systeme und Wireless-Technologien
sowie UMTS und Telematiksysteme noch bessere Möglichkeiten bieten,
die Prozesse transparent zu machen. Wird die IT-Struktur des Hubs darüber
hinaus an ein übergeordnetes System angebunden, eröffnen sich
weitere Optimierungspotenziale. So kann beispielsweise im Cross Docking
berücksichtigt werden, wenn ein Lkw mit der Lieferung im Stau steht.
Die künftigen Entwicklungen hängen ferner von den Technologie-Treibern,
wie der Ident-, Informations- und Materialflusstechnik, ab. In der Materialflusstechnik
werden Linearmotoren und die berührungslose Energie und Informationsübertragung
künftig an Bedeutung gewinnen. Eine Rolle spielt auch die fortschreitende
Miniaturisierung: So setzt UPS verstärkt auf Fingerscanner, die ein
Paket beim Greifen direkt erfassen.
Welche Rolle kommt dabei der Radiofrequenzidentifikation (RFID) zu?
Auch aus der RFID-Technik, die sich zunehmend etabliert, werden sich
umfangreiche Möglichkeiten ergeben. Mit ihrer Hilfe kann die Ware
bereits im Wareneingang vor der Depalettierung erfasst und geprüft
werden. Ähnliche Vorteile bringt die RFID-Technik bei der Warenausgangskontrolle.
Selbst Temperaturmesswerte lassen sich per Transponder während des
Transports speichern und können anschließend ausgewertet werden.
Oft ist die Rede von der Webfähigkeit der erfassten Daten. Heißt
das, dass über das Internet auch von außen auf ein System zugegriffen
werden kann?
Wettbewerbfähigkeit heißt, dass beispielsweise weltweit von
jedem PC aus einzelne Sendungsstatus abgefragt oder Eingriffe ins System
vorgenommen werden können. So lässt sich ein Hub bis in seine
Einzelkomponenten in ein Supply-Chain-Umfeld einbetten. Probleme werden
früh erkannt, so dass rechtzeitig gegengesteuert werden kann.
Wenn alle internen Parameter bei der Hub-Konzeptionberücksichtigt
sind, was muss dann noch hinsichtlich der Standortwahl berücksichtigt
werden?
Die Standorte für Road-Hubs hängen unmittelbar mit der typischen
Zielgruppe für den Dienstleister zusammen. Im B2C-Bereich spielen
die Nähe zu den großen Ballungsräumen sowie die optimierte
Anbindung und die Reichweite eine Rolle. Im B2B-Bereich ist manchmal ein
multimodaler Standort wichtig, der sowohl die Verkehrsträger Straße
und Schiene als auch Luft und Wasser berücksichtigt. Ein entscheidender
Faktor bleibt natürlich die Nähe zu großen Schlüsselkunden.
Gilt das auch für Air-Hubs?
Die Standorte für Air-Hubs sind im Wesentlichen von den Restriktionen
für den Flugverkehr abhängig, beispielsweise ob ein Nachtflugverbot
besteht oder die Flugzeuge der Unternehmensflotte problemlos abgefertigt
werden können. Wichtig ist auch die Koordination der Flugzeuge in
den sonstigen Slot-Betrieb des Flughafens. Für beide Hub-Arten gilt,
dass der Standort in die Netzstrategie und Optimierung des jeweiligen
Unternehmens passen muss. Intelligente Netze, die flexibel auf Lastspitzen
und Änderungen im Volumenaufkommen sowie verkehrsbedingte Engpässe
reagieren können, setzen sich im Vergleich zu den reinrassigen Hub-and-Spoke-Systemen
immer stärker durch.
Die Logistiksysteme ändern sich ständig. Für welchen
Nutzungszeitraum werden Hubs heute geplant?
Wenn Hubs unter Berücksichtigung aller wichtigen Faktoren geplant
und realisiert werden, können sie 20 Jahre und länger effizient
genutzt werden. Natürlich sind innerhalb eines solchen Zeitraums
Anpassungen erforderlich, zum Beispiel bei der Ident-Technik und den IT-Systemen,
um den wandelnden Anforderungen gerecht zu werden. Eine zyklische Modernisierung
ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn das Hub über einen solch langen
Zeitraum in die Netzstrategie des Betreibers passt.
Herr Dullinger, ich danke Ihnen für das Gespräch. DVZ
17.1.2006 (ben)
Zur Person
Karl-Heinz Dullinger ist Geschäftsführer der Vanderlande Industries
GmbH in Mönchengladbach. Er ist seit mehr als 30 Jahren in allen
Bereichen der Logistik tätig: vom Vertrieb im In- /Ausland über
Planungs- und Entwicklungstätigkeiten bis zum Projektmanagement von
Generalunternehmer-Großprojekten. Dullinger ist Vorstandsmitglied
in der Bundesvereinigung Logistik und Mitglied des Beirats der VDI-Fachgliederung
Fördertechnik, Materialfluss und Logistik".
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