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Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund.

Moderne Lagertechnik ist gefragt



Dipl.-Ing. Klaus Heptner

DVZ 17.04.2004
Der Markt für Lagertechnik wächst in Wellenbewegungen mit einem Zyklus von etwa fünf Jahren. Über die Perspektiven der Lagerausrüster sprach DVZ-Mitarbeiter Armin Hille mit Senior Consultant Klaus Heptner.

Herr Heptner, zurzeit stagniert der Markt für Lagertechnik. Wird er sich in Zukunft erholen?

Heptner:
Kurzfristig ist noch von einer Stagnation in der Lagertechnik-Branche auszugehen, auch wenn einzelne Bereiche wie die Stapler-Lieferanten eine Ausnahme bilden.

Jedoch deuten derzeitige umfangreiche Projektierungs-Aktivitäten - vor allem auf internationaler Ebene - darauf hin, dass mittelfristig wieder mit einem Wachstum gerechnet werden kann. Besonders auf Grund des sehr großen Spektrums der lagertechnischen Systeme und deren Einsetzbarkeit in den unterschiedlichsten Bereichen ist auch weiterhin Potenzial vorhanden.

Was wird die weitere Marktentwicklung am stärksten beeinflussen?

Heptner: Die Strategien, welche in den einzelnen Kunden-Branchen der Lagerausstatter verfolgt werden, haben den größten Einfluss auf die künftige Entwicklung des Marktes. Läger der Industrie und von Dienstleistern werden in hohem Maße von der Gestaltung der Supply Chain und deren Management geprägt. Dagegen setzt der Handel viel stärker auf die Strategie der Efficient Consumer Response ab. Obwohl die Vorteile beider Vorgehensweisen weitgehend bekannt sind, müssen jedoch noch erhebliche Hürden in den Organisationsstrukturen und deren Integration in die firmenübergreifenden IT-Systeme überwunden werden. Nach Abschluss dieser Phasen werden jedoch Netzwerke entstehen, die Umstrukturierungen und somit auch Investitionen in Technik und Organisation erforderlich machen. Davon wird auch die Lagertechnik profitieren.

Welche Rolle spielt dabei das Outsourcing?

Heptner: Der Trend zur Zusammenarbeit mit leistungsfähigen und international organisierten Logistikdienstleistern wird sich bei der Lagerbewirtschaftung fortsetzen. Allerdings ist auch eine gegenläufige Entwicklung zurück zum „Insourcing" zu erkennen. Ursache dafür ist der Wunsch der Unternehmen, den Service, die Qualitätssicherung sowie den Vertrieb wieder selbst zu kontrollieren. Dabei werden nicht nur kostengünstigere Vergütungsmodelle eingeführt, sondern auch neue Möglichkeiten der Lagertechnik ausgeschöpft.

Wo sehen Sie die Markttreiber?

Heptner: Neue Organisationsformen, Systeme und Komponenten werden weiterhin dafür sorgen, dass in neue Anlagen investiert wird. Dies gilt besonders für eine Reihe von älteren Anlagen, die umfassend saniert und modernisiert werden müssen. Innovationen gibt es einerseits bei Komponenten, welche die Fördergeschwindigkeiten erhöhen, bei Mehrplatz-Systemen sowie bei der Zielsteuerung. Andererseits wurden auch viele Anwendungen verbessert. Dazu zählen zum Beispiel Identifizierungstechniken (RFID), Netzwerke und Leitstände. Auch die erweiterten Möglichkeiten der Standardsoftware oder die Einführung von Wireless LANs werden die Entwicklung vorantreiben. Für Lieferanten der Lagertechnik bietet sich hier ein lukrativer Markt.

Wie wird sich der Software-Einsatz bei der Lagerwaltung entwickeln?

Heptner: Während die Frage, ob Individual- oder eine Standardsoftware für die Lagerverwaltung eingesetzt werden soll, früher immer heiß diskutiert wurde, gewinnen in letzter Zeit zunehmend die standardisierten Lösungen an Bedeutung, weil große Software-Unternehmen, an der Spitze SAP, ihre Standards entscheidend weiterentwickelt haben. Durch Standardsoftware werden inzwischen mehr Anwendungen abgedeckt, die früher nur durch individuelle Software möglich waren. Allerdings sollten bei der Einführung und Investition in die IT-Technik die betreffenden Lagertechnik-Bereiche auch hinsichtlich Technik und Organisation überprüft und angepasst werden.

Welchen Einfluss haben darüber hinaus gesellschaftliche Rahmenbedingungen?

Heptner: Neben strategischen Konzepten sind auch gesellschaftspolitische Veränderungen von großer Bedeutung. Das betrifft die Ost-Erweiterung der EU ebenso wie die Globalisierung. Interessant ist beispielsweise die Zunahme von Lagerprojekten in Fernost, unter anderem in China und Taiwan und überraschenderweise auch in einigen Entwicklungsländern. Darüber hinaus müssen bei der Beurteilung der Zukunftsaussichten die Veränderungen in der Gesetzgebung, zum Beispiel im Gesundheitswesen, für Lebensmittel, Gefahrstoffe oder den Brandschutz einbezogen werden. Bei konsequenter Anwendung neuer Gesetze sind schließlich unmittelbar erhebliche Investitionen für lagertechnische Einrichtungen erforderlich.

Was bedeutet das für die Lagertechnik-Industrie?

Heptner: Sowohl deutsche als auch europäische Lagertechnik-Lieferanten müssen sich in Hinblick auf Vertrieb und Abwicklung professioneller organisieren. Neben den erforderlichen Stützpunkten vor Ort muss besonders die Organisation in der Zentrale entsprechend erweitert werden. Neben der Einführung internationaler Infrastrukturen müssen dabei geeignete Mitarbeiter ausgebildet werden.

Herr Heptner, wir danken Ihnen für das Gespräch.



 
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