Werner
Geilenkirchen
Die Fähigkeit, operative logistische Prozesse effizient zu managen,
ist Erfolgsfaktor Nr.1 der deutschen Logistikbranche, Logistik "Made
in Germany" hat weltweit einen guten Ruf. Weniger gut gelingt dagegen
die eigene Vermarktung dieser Vorteile. Im Interview mit dem Logistik-Branchenbuch
fordert der Marketingexperte Werner Geilenkirchen auf, zukünftig
Kunden mit emotionalen Soft Facts zu gewinnen.
Herr Geilenkirchen, warum braucht die Branche hierzulande neue Vertriebsargumente?
Ganz einfach, weil der internationale Wettbewerb es vormacht und den Druck
stetig erhöht. Ausländische Anbieter gewinnen immer mehr Marktanteile.
Damit nicht genug, Konzentrationsbewegungen im Inland verstärken
den Druck zusätzlich. Das perfekte Management des physischen Güterstroms
setzt der Kunde heute voraus.
Verlader orientieren sich bei der Auswahl ihrer Dienstleister zunehmend
an fachfremden und "weichen Faktoren". Diesen Herausforderungen
muss sich der deutsche Logistikdienstleister aktiv stellen.
Wo besteht Handlungsbedarf?
Überall dort, wo starker Wettbewerb herrscht und Leistungen aus Sicht
des Kunden wenig unterscheidbar sind. Dies trifft besonders auf mittelständische
Transport- und Logistikanbieter zu, diese müssen im Kampf um Aufträge
durch Firmenimage, Mitarbeiterqualität, Service, etc. auf sich aufmerksam
machen. Der Preis allein ist nicht ausschlaggebend. Übrigens, wie
Prof. Jockel von der Europäischen Fachhochschule in Brühl jüngst
belegen konnte, ist aus Verladerseite auch die Kreativität des Anbieters
ein wichtiger Punkt. Und dann besteht Handlungsbedarf dort, wo es an professionelles
Vermarktung mangelt, es reicht, salopp gesagt, ein bisschen bunte Werbung
eben nicht aus...
Was kann Logistikmarketing, was Werbung nicht kann?
Marketing ist mehr als nur Werbung. Beispiel Kontraktlogistik. Immer mehr
Wettbewerb, auch die komplexen Dienstleistungen werden immer ähnlicher
und austauschbarer. Um hier Marktanteile zu erobern oder zu sichern werden
umfassende Geschäftsfeldstrategien benötigt, die zum Beispiel
auch die Service- und Preispolitik oder die effiziente Integration operativer
und vertrieblicher IT berücksichtigt. Und diese Strategie muss dann
prägnant und nachhaltig in den Markt transportiert werden. Werbung
ist nur ein Aspekt dieser gesamten Arbeit. Erst umfassendes Logistikmarketing
verschafft nachhaltige Vorteile im Markt.
Wie nutzen Unternehmen die Chancen professionellen Logistikmarketings?
Bisher eher zurückhaltend. Besonders bei kleineren mittelständischen
Logistikanbietern gilt oft noch der Grundsatz aus alten Speditionstagen,
"die Kunden rufen von selbst an". Wir kämpfen immer noch
gegen den Mythos, Marketing und Markenführung würde sich für
kleine Firmen nicht rechnen. Professionelles, das heißt eben auch,
der Unternehmensgröße angemessenes, Marketing rechnet sich.
Was sich nicht rechnet, ist, nicht in Marketing zu investieren.
Nennen Sie Beispiele für professionelles Logistikmarketing.
Professionalität beginnt mit einer ordentlichen Außendarstellung.
Innen "Logistik hui", außen mit unprofessionellem Logo,
schlechten Bildern und statischen Webseiten pfui, so überzeugt man
keine Kunden. Aber mit einer eigenständigen und interessanten Marktpräsenz.
Nehmen wir als Beispiel die von uns für einen Kunden entwickelte
Positionierung als "Wachstums-Logistiker". Da der Begriff neu
ist, erzeugt er Aufmerksamkeit in einem umkämpften Markt. Er benennt
nicht das "Wie", sondern den Nutzen seiner Leistungen für
den Auftraggeber. Durch solche speziell entwickelten und einfach umsetzbaren
Kampagnen kann auch ohne großes Budget eine starke Marktpräsenz
erzielt werden.
Sie sprechen oft von der Marke. Was bedeutet Marke?
Marke ist all das, was das Unternehmen an Vorteilen und Eigenschaften
bietet. Marke ist viel mehr als ein Logo und ein Produkt. Bilanzen, Bonität,
Zertifizierungen, Image, Qualität des Außenauftritts, eine
gute Presse, diese und weitere Faktoren bilden eine Marke. Und diese spielt
bei der Entscheidung, ein Produkt zu kaufen oder eine Dienstleistung in
Anspruch zu nehmen eine zunehmend wichtige Rolle.
Wie kann eine Marke erfolgreich positioniert werden?
Zunächst, Markenführung ist Chefsache. Die Geschäftsleitung,
die Inhaber müssen Markenführung als Stabsstelle betrachten
und dementsprechend steuern und unterstützen. Die Arbeit, also die
kontinuierliche Markenkommunikation mit Festlegung der Inhalte, die Positionierung
gegenüber Wettbewerbern und die Gestaltung der Markenelemente wie
Name und Logo sind Sache der Kommunikationsexperten.
Inhouse oder Berater?
Es hat sich bewährt, wenn externe Spezialisten mit Logistikerfahrung
dies in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung übernehmen.
Dies garantiert auch die sonst im geschäftlichen operativen Alltag
oft nicht mögliche kontinuierliche Umsetzung und Weiterentwicklung.
Was raten Sie?
Für kleine und mittelständische Anbieter wird der Auf- und Ausbau
einer starken und sicheren Marktposition zunehmend schwieriger. Außer
den Anforderungen an die operativen Qualitäten steigt der Wettbewerbsdruck
auch durch mangelnde Unterscheidbarkeit der einzelnen Anbieter aus Sicht
der Auftraggeber. Zu wenig Unternehmen besitzen eine differenzierbare
Leistungsbeschreibung. Deshalb raten wir dazu, in strategisches Marketing,
professionelle Kommunikation und Markenführung zu investieren. Eine
starke Marktpräsenz und ein positives Image sind unverzichtbare zukünftige
Erfolgsfaktoren.
Herr Geilenkirchen, vielen Dank für das Gespräch.
Werner Geilenkirchen, 47, ist in der Geschäftsleitung der
Herzig Marketing Kommunikation. Der Gastreferent und Fachautor ist unter
anderem Initiator der Trendstudie "Logistik. Online zum Erfolg"
Er hat in zahlreichen Projekten Logistikunternehmen betreut. Seine Schwerpunkte
liegen in der strategischen Geschäftsfeldentwicklung, der Konzeption
geeigneter Marketingstrategien und der Integration moderner Kommunikationssysteme.
Nach Jura-Studium und Erfahrungen als Geschäftsführer und Berater
in Medienagenturen ist er ein Kommunikationsexperte mit gleichzeitiger
Spezialisierung auf IT- und Logistikmarketing.
|