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Auf welchem Rang stehen die deutschen Seehäfen im internationalen
Vergleich?
Deutschland ist Exportweltmeister und mit 82 Millionen Einwohnern auch
einer der größten Kunden des Weltmarktes. Unsere Integration
in die Globalisierung ist sehr stark ausgeprägt. Im interkontinentalen
Handel laufen etwa 99 Prozent der Güter über die Seewege. Davon
profitieren vor allem die Containerterminals in den beiden großen
Nordseehäfen. Sie gehören zu den 20 größten Containerhäfen
der Welt. Unsere Ostseehäfen haben ihre Stärken bei den Fährverkehren
und als Spezialisten für bestimmte Güterarten. Sie profitieren
vom anhaltenden Wirtschaftswachstum der Ostseeanrainer. Die größten
Containerhäfen der Welt liegen in Asien. Singapur, Hongkong und Shanghai
belegen die vorderen Plätze. Unter dem Aspekt Hafenwettbewerb aber
ist die regionale Entwicklung von Interesse. In der so genannten Hamburg-Antwerp-Range
zeigt sich, das Bremerhaven und Hamburg im Containerverkehr seit einigen
Jahren Marktanteile hinzugewinnen und gegenwärtig etwa dasselbe Containervolumen
haben wie Rotterdam und Antwerpen.
Die Verkehrsinfrastruktur ist für die Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Seehäfen entscheidend. Welche Maßnahmen bezüglich
seewärtige Zufahrten und Hinterlandanbindungen haben hierbei in den
nächsten Jahren Priorität?
Die Fahrrinnen in der Elbe und in der Außenweser müssen dringend
dem Bedarf der großen Containerschiffe angepasst werden. Zudem muss
der geplante Ausbau der Mittelweser einschließlich der Schleusen
zügig realisiert werden. Auch im Elbe-Lübeck-Kanal brauchen
wir größere Schleusen. Weiterhin ist der Ausbau der Oststrecke
des Nord-Ostsee-Kanals erforderlich, damit der Kanal nicht zum Engpass
zwischen Nord- und Ostsee wird. Aber auch die seewärtigen Zufahrten
zu den Häfen Emden und Wismar müssen ausgebaut werden. Zu den
wichtigen Schienenprojekten gehören die Y-Trasse, die Elektrifizierung
der Strecke Hamburg - Lübeck, der Ausbau der Strecke Oldenburg -
Wilhelmshaven für den künftigen JadeWeserPort und der dreigleisige
Ausbau der Strecke Stelle - Lüneburg. Weiterhin brauchen wir den
Ausbau der Bahnstrecke Rostock - Berlin und Berlin - Pasewalk - Stralsund.
Zu den wichtigen Bundesfernstraßenprojekten gehören der sechsstreifige
Ausbau der A 1 und A 7, der Weiterbau der A 281mit dem Wesertunnel in
Bremen sowie der Neubau der A 26 von Stade (A 20) nach Hamburg (A 7).
Außerdem brauchen wir den Weiterbau der A 20 von Lübeck (A
1) nach Stade (A 26) einschließlich der Elbquerung sowie den Neubau
der Strecke A 29 Lüneburg - Wolfsburg. Für die weitere Entwicklung
im Nordwesten sind die Küstenautobahn A 22 und die Hafenquerspange
in Hamburg erforderlich.
Beschreiben Sie bitte die Zusammenarbeit der ZDS mit anderen internationalen
Organisationen der Verkehrswirtschaft und stellen Sie bitte einen möglichen
Netzwerkcharakter heraus!
Auf nationaler Ebene ist es wichtig, die Strategie für die see-
und landseitige Anbindung der Häfen auf der Grundlage der Gemeinsamen
Seehafenplattform des Bundes gemeinsam mit dem Bundesverkehrsminister
weiterzuentwickeln. Hier ist der ZDS ständig aktiv eingebunden. Weiterhin
werden die Interessen der deutschen Seehäfen durch einen Sitz im
Präsidium des Deutschen Verkehrsforums in Berlin vertreten. Innerhalb
der EU arbeiten wir permanent eng mit den entsprechenden europäischen
Organisationen der Seehäfen, der Hafenbehörden, der Binnenhäfen
und der Verlader zusammen. Darüber hinaus gibt es gute persönliche
Kontakte zur EU-Kommission und zum EU-Parlament.
Welche Hürden müssen die deutschen Seehäfen hinsichtlich
logistischer und wirtschaftlicher Anforderungen bewältigen, um weiterhin
im internationalen Vergleich mit an erster Stelle stehen zu können?
Neben dem dringenden Ausbau der Seehafenanbindungen kommt es darauf an,
die vorhandene Verkehrsinfrastruktur optimal zu nutzen. Durch Innovationen
soll die Leistungsfähigkeit der Supra- und Infrastruktur optimiert
werden. Wir wollen in konzertierter Aktion die Technologien im Hafen-
und Terminalbereich sowie im Hinterlandverkehr ausbauen und damit die
Hafenlogistik stärken. Der Bundeswirtschaftsminister hat dafür
das neue Technologieprogramm "Innovative Seehafentechnologien II"
(ISETEC II) aufgelegt. Die Fördermittel zur Unterstützung belaufen
sich auf 30 Millionen Euro. ISETEC II läuft von 2008 bis 2011. Die
Steigerung der Effizienz in den Häfen verlangt auch eine entsprechende
Qualifizierung der wachsenden Belegschaften. Deshalb werden die Mitgliedsunternehmen
bis 2012 insgesamt 2.800 Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Der Bund wird mit der Qualifizierungsoffensive "Seehafenlogistik"
die finanziellen Mittel bereitstellen, um neue sozialversicherungspflichtige
Arbeitsplätze zu schaffen. Nicht zuletzt müssen die Terminalbetreiber
in den Ausbau der Kapazitäten investieren. Bei den Mitgliedern des
ZDS summieren sich die erforderlichen Investitionen bis 2012 auf 3,2 Milliarden
Euro.
Herr Aden, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Dieses Interview führte Visavis-Redakteurin Ellen Drechsler,
VISAVIS Verlagsgesellschaft für Wirtschaftskommunikation
Partner der Wirtschaft
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