Fraunhofer-Institut für Materialfluss
und Logistik IML, Dortmund.
Verführerischer Genuss im Blick
Dissen, 04.03.09 - "So verführt man", lautet die Botschaft,
mit der Homann, Marktführer im Bereich Feinkostsalate und führender
Hersteller von Fisch-Feinkost, Dressings und Saucen, für seine Produkte
wirbt. Um für die hohe Nachfrage seiner Produkte zukünftig noch
besser gerüstet zu sein, investiert Homann in die Intralogistik.
Logistik ist bei Homann ein wichtiger Erfolgsfaktor für
die Kundenzufriedenheit. Schließlich stellt das Dissener Unternehmen
Frischeprodukte weitgehend ohne Konservierungsstoffe her, bei denen es nicht
nur auf die ausgesuchten Zutaten ankommt, sondern auch darum, die Produkte
nach der Herstellung schnell in den Handel zu bringen.
Somit hat auch das 7-gassige Hochregallager am Produktionsstandort Dissen
vor allem eine Pufferfunktion. Aber auch hierfür reichten die vorhandenen
9400 Stellplätze seit langem nicht mehr aus. Auch die Geschwindigkeit
und
Störungsanfälligkeit der über 30 Jahre alten
Regalbediengeräte und Fördertechnik-Komponenten entsprachen nicht
mehr den Anforderungen von Homann.
So entschloss sich Homann Anfang 2008, das Hochregallager umfassend zu modernisieren.
Als Generalunternehmer wurde die Stöcklin Logistik aus Netphen beauftragt,
sowohl neue Regalbediengeräte als auch eine umfangreiche neue Fördertechnik
zu liefern und durch einen Umbau der Regale von einer fixen Fachgröße
auf mehrere unterschiedliche Höhen eine zusätzliche Ebene einzuziehen
und so die Anzahl der Palettenstellplätze auf ca. 10.900 zu erhöhen.
Insbesondere durch den Ausbau der Fördertechnik wird die Kapazität
der Lagerprozesse deutlich erhöht. So sind beispielsweise für
den Wareneingang aus der Produktion zukünftig zwei Andockmöglichkeiten
für die Shuttle-Lkw vorhanden, bei denen die Be- und Entladung über
Fördertechnik im Lkw-Aufbau automatisch erfolgt. Auch die Einlager- und Auslagerförderstrecken wurden von der
Kapazität nahezu verdoppelt, wozu ebenfalls beiträgt, dass in
der Vorzone des HRLs zukünftig zwei auf einer Schiene kollisionsfrei
fahrende Doppelverteilwagen den in die Jahre gekommenen Verteilwagen ersetzen
und die einzulagernden Paletten auf die sieben Gassen verteilen.
Materialflussrechner steuert Fördertechnik
Diese umfangreiche Fördertechnik machte allerdings den Einsatz eines
zusätzlichen Materialflussrechners erforderlich, der die Komponenten
steuert, die Fahrwege optimiert und die Belegung der Anlage visualisiert.
Gleichzeitig stellt der MFR das Bindeglied zwischen der bei Homann vorhandenen
Lagerverwaltung LFS 400 und den Fördertechnik- und RBG-Steuerungen
aus dem Hause Stöcklin dar. Den Auftrag zur Lieferung dieses Materialflussrechners
erhielt die GDV Kuhn mbH aus dem niedersächsischen Salzhausen.
Dies ist wenig verwunderlich, zumal GDV seit Jahren sowohl als Partner
für Stöcklin Logistik Lagerverwaltungs- und Materialfluss-lösungen
entwickelt als auch Realisierungspartner für die eingesetzte Lagerverwaltung
LFS 400 von Ehrhardt + Partner ist und über eine standardisierte Schnittstelle
zum LFS 400 verfügt. Daneben ist die GDV spezialisiert auf sogenannte
"Retrofitting"-Projekte, bei denen der Austausch von Komponenten
in der Fördertechnik weitgehend im laufenden Betrieb erfolgen muss.
So werden auch bei Homann die Gassen des Hochregallagers in mehreren Stufen
umgebaut und auch die vorhandene Fördertechnik in mehreren Stufen demontiert
bzw. die neuen Förderer in Betrieb genommen, so dass ständig eine
funktionsfähige Anlage zur Verfügung steht.
Durch Anlagenvisualisierung alle Paletten
im Blick
Unverzichtbarer Bestandteil des Materialflussrechners ist die Anlagenvisualisierung.
Dieser Teil der modularen MFR-Software sorgt dafür, dass die Leitstandsmitarbeiter
bei Homann auch ohne Sichtkontakt mit der Anlage ihre verführerischen
Produkte immer im Blick haben. Das Modul wurde anlässlich dieses Projektes
weiterentwickelt und bietet nun noch mehr Funktionalität und eine ansprechendere
Oberfläche. So kann in der Software das Original-Anlagenlayout als
Hintergrundbild im JPG-Format hinterlegt werden, wodurch es dem Anwender
noch einfacher gemacht wird, die angezeigten Fördertechnikpunkte räumlich
zu identifizieren. Weiterhin werden bei Störungen, z.B. bei einem Konturenfehler
am RBG, nicht nur die entsprechende Fehlermeldung eingeblendet, sondern
direkt auch Hinweise für die Störungsbehebung.
Mobile Störungsbehebung über MDE
Als weitere Neuerung wurde im Materialflussrechner ein Modul zur mobilen
Störungsbehebung integriert. Dieses arbeitet mit handelsüblichen
MDE, wie sie auch in der Kommissionierung Verwendung finden. Der eingesetzte
Typ des mobilen Handhelds ist hierbei durch die verwendete Browser-Technologie
nahezu unerheblich. Bereits beim Kunden vorhandene Hardware kann daher in
der Regel genutzt werden. Zur Nutzung der mobilen Störungsbehebung
wird jeder Fördertechnikpunkt mit der barcodierten Nummer des Förderers
versehen.
Kommt es zu einer Störung, kann der Mitarbeiter mit dem MDE durch Scannen
der Fördertechnik-ID die datentechnische Belegung des Elements abfragen
und bei Bedarf ändern. Auch die Abfrage des datentechnischen Standorts
einer Palette ist durch Scannen der angebrachten NVE-Nummer jederzeit möglich.
Auch hier lässt sich die Belegung direkt am MDE auf die tatsächlichen
Gegebenheiten anpassen.
Alle Neuerungen aus der Visualisierung und aus anderen Modulen der PROBAS-Software
wie Pick-by-Voice und Multi-Order-Picking aus geteilten Behältern zeigt
die GDV während der LogiMAT 2009 auf ihrem Stand 916 in Halle 1 des
Stuttgarter Messegeländes.