| Fraunhofer IML eröffnet neue Forschungshalle für
"Zellulare Fördertechnik":
Dortmunder Wissenschaftler lernen von Ameisen
Dortmund, 22. Juni 2011 - Pünktlich zu seinem 30-jährigen
Bestehen eröffnete das Fraunhofer-Institut für Materialfluss
und Logistik IML am heutigen Mittwoch eine eigens errichtete Forschungshalle
für "Zellulare Fördertechnik". Hier werden die Fraunhofer-Wissenschaftler
in den kommenden fünf Jahren untersuchen, wie sich "Schwarmintelligenz"
für die Logistik nutzen lässt.
Ziel
ist es, Versorgungsketten energiesparender zu gestalten und flexibler
auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können. Damit startet
in Dortmund der derzeit größte Versuch zur Anwendung künstlicher
Intelligenz in der Logistik.
Ob Ameisen, Bienen oder Vögel - alle sind sie im Schwarm erfolgreicher
als einzeln. Daher hat es sich das Fraunhofer-Institut für Materialfluss
und Logistik IML in Dortmund zur Aufgabe gemacht, von dieser so genannten
"Schwarmintelligenz" zu lernen. In einer 1.020 m2 großen
Forschungshalle, direkt neben dem Institutsgebäude, simuliert ein
Versuchsaufbau ein komplettes Lagerzentrum mit Regalen und Kommissionierstationen,
wie es fast alle produzierenden Unternehmen und Versandhändler betreiben.
Darin suchen sich seit heute 50 fahrerlose Transportfahrzeuge selbstständig
ihre Aufgaben und ihren Weg.
Was abenteuerlich klingt, bietet weitreichende Chancen: Ein Schwarm,
der durch Kommunikation un-tereinander entscheidet, wer die Arbeit übernimmt,
kann sich viel flexibler anpassen. Gibt es an einem Tag beispielsweise
weniger Ware aus dem Lager zu holen, so kommen nur die benötigten
Fahrzeuge zum Einsatz. Bei den bisherigen Lösungen müssen kilometerlange
Rollenbahnen betrieben werden, auch wenn nur ein einziges Paket transportiert
werden soll. In einem Schwarmsystem werden nicht erforderliche Fahrzeuge
einfach abgestellt und verbrauchen keinen Strom. Auch im Einsatz benötigen
die Fahrzeuge weniger Energie, da sie sich selbst die jeweils kürzeste
Route zum Ziel suchen. "Evolution ist das einzige, was in den letzten
vier Mrd. Jahren funktioniert hat. Wir können neuen Herausforderungen
nur mit überlebensfähigen Lösungen begegnen. Daher haben
wir uns die Natur als Vorbild genommen und uns die Frage gestellt, wie
könnte die optimale Logistik-Lösung aussehen", erläuterte
Prof. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter
des Fraunhofer IML und Erfinder der "Zellularen Fördertechnik",
bei der feierlichen Eröffnung der Versuchshalle.
An
der Weiterentwicklung dieser revolutionären Lösung werden in
den kommenden Jahren zahlreiche Wissenschaftler des Fraunhofer IML arbeiten.
Dabei findet die Forschung nicht im Verborgenen statt: Wer nach Dortmund
kommt, kann über ein großes Schaufenster jederzeit einen Blick
in die 60 m lange und 17 m breite Halle werfen und die Forschungsarbeiten
live beobachten. Insgesamt beträgt das Projektvolumen 5,5 Mio. Euro.
Dies beinhaltet auch die Produktion der 50 vom Fraunhofer IML entwickelten
Fahrzeuge durch die Dematic GmbH aus Offenbach, einem langjähriger
Forschungspartner des Fraunhofer IML im Bereich Transportsysteme.
Gefördert wird das zukunftsweisende Forschungsprojekt unter anderem
vom Land NRW. "Zur Bewältigung der gesamtgesellschaftlichen
Herausforderungen, aber auch zur Sicherung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts
NRW sind exzellente Wissenschaft und Forschung von herausragender Be-deutung.
Die Logistikforschung in Dortmund ist hier ein besonders gelungenes Beispiel",
betonte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze im Rahmen der Feierlichkeiten.
Die letzten 30 Jahre waren für das Fraunhofer IML geprägt von
Erfindungen, die ihren Weg in die Logistik-Branche und teilweise darüber
hinaus fanden. Von unterschiedlichen fahrerlosen Transport-systemen über
intelligente Verpackungen bis hin zu Ortungslösungen für Lawinen-Opfer
und innova-tiven Systemen für Parkhäuser, hat das Institut zahlreiche
Abläufe verbessert und mehr Sicherheit ge-schaffen. "In der
Vergangenheit ist es dem Fraunhofer IML stets geglückt, nicht nur
praxisnahe Lösungen für branchenspezifische Problemstellungen
zu entwickeln, sondern - ganz im Gedanken der Fraunhofer-Gesellschaft
- auch gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen. Daher freue ich
mich besonders, dass sich diese Tradition mit der heutigen Eröffnung
des Schwarm-Experiments fortsetzt", gratulierte Prof. Dr. Ulrich
Buller, Vorstand Forschungsplanung der Fraunhofer-Gesellschaft.
Aber nicht nur auf diesem Gebiet wird es in gewohnter Vielfalt weitergehen:
Neben der "zellularen Fördertechnik" wird das Fraunhofer
IML beispielsweise gemeinsam mit dem ebenfalls in Dortmund ansässigen
Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST am Thema
"Cloud Computing für die Logistik" arbeiten. Ziel ist es,
das Thema Cloud Computing für die Branche nutzbar zu machen. "Wir
wollen ein virtuelles Software-Kaufhaus schaffen, in dem vor allem kleine
und mittlere Unterneh-men günstig an spezielle Logistik-Software
kommen können - ohne immense Investitionen in ein Sy-tem tätigen
zu müssen, von dem sie nur Bruchteile nutzen", unterstrich Prof.
Dr. Jakob Rehof, Instituts-leiter des Fraunhofer ISST.
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML
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