Fraunhofer-Institut für Materialfluss
und Logistik IML, Dortmund.
Logistik ist ein Treiber
der wirtschaftlichen Entwicklung
Tag der Logistik mit mehr als 200 Veranstaltungen
in ganz Deutschland / Auftakt-Pressekonferenz in Dortmund
Bremen/Dortmund, 17. April 2008 - Mit einer Auftakt-Pressekonferenz
in Dortmund wurde der erste bundesweite Tag der Logistik offiziell eröffnet.
Die Initiatoren und Veranstalter erwarten am heutigen Donnerstag bei 212
Veranstaltungen rund 20.000 Teilnehmer, die einen Blick hinter die Kulissen
der Logistik in Industrie, Handel und den Dienstleistungen werfen oder
sich über die Angebote der Ausbildungs- und Studiengänge im
Bereich Logistik informieren. Der drittgrößte Wirtschaftsbereich
Deutschlands zeigt Flagge.
Was dem Auge der Öffentlichkeit oft verborgen ist, wird erlebbar. Logistik
wird in der Wahrnehmung häufig auf "Transport, Umschlag und Lagerung"
reduziert. Doch es geht weit darüber hinaus: Logistik bedeutet Planung
und Steuerung aller Informations- und Materialflüsse zwischen Kunden
und Lieferanten, aber auch innerhalb von Unternehmen. Der Montagesteuerer
aus der Automobilfabrik, der Versandleiter im Lebensmittelhandel, der Einkäufer
eines chemischen Betriebs und der Disponent eines Spediteurs - sie alle
sind mit Logistik befasst. Einige Beispiele für die Angebote am Tag
der Logistik:
Audi bietet in Ingolstadt Erlebnisführungen zu vier unterschiedlichen
Themen: Aktuelles zu den Aktivitäten der Logistik bei der Audi AG,
Logistik in der Montage des Audi A3, JIT vom GVZ an die Montagelinie, Karriere
mit Perspektive: Einstiegsmöglichkeiten bei der Audi AG im Bereich
Logistik.
Die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg ermöglicht
die Besichtigung ihrer Logistiklabors zu Telematik, RFID und Steuerung.
In Versuchshalle, Logistiklabor und Kommissionierlabor zeigen die Wissenschaftler
den neuesten Stand der technologischen Entwicklung in der Logistik.
Die Logistikinitiative Hamburg hat gemeinsam mit vielen Partnern
in der Hansestadt ein Paket von knapp 40 Veranstaltungen geschnürt.
Im Detail bieten die Veranstalter in Hamburg mehr als 70 Führungen
mit einer Kapazität von mehr als 2.200 Besuchern an.
DB Schenker, das Transport- und Logistikressort der Deutschen Bahn
AG, macht an insgesamt acht Standorten in ganz Deutschland Logistik für
Schüler und Studenten erlebbar. So gewährt das Unternehmen beispielsweise
bei Exkursionen zu den Containerterminals Duisburg und Großbeeren
oder zum Rangierbahnhof Maschen Einblicke in die Abläufe.
Bei Libri in Bad Hersfeld können die Besucher am Tag der Logistik
erleben, wie Bücher bewegt werden.
Ein Blick auf die Zahlen, die regelmäßig von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe
für Technologien der Logistikdienstleistungswirtschaft ATL in Nürnberg
errechnet werden: Der Logistik-Umsatz der deutschen Wirtschaft erreichte
im vergangenen Jahr knapp 210 Milliarden Euro - nach 189 Milliarden Euro
in 2006. Hinter der Automobilindustrie und dem Handel rangiert die Logistik
damit in Deutschland auf Platz drei. Bemerkenswert ist die Aufteilung: Zur
Hälfte werden diese Logistikleistungen vom Logistikdienstleistungs-sektor
erbracht, die andere Hälfte ist "Eigenleistung" von Industrie
und Handel. Für 2008 rechnen die Experten von Fraunhofer ATL in Nürnberg
mit einem weiteren deutlichen Wachstum in einer Dimension, die sich auf
etwa sieben Prozent belaufen dürfte.
Die Zahl der in der Logistik Beschäftigten in Deutschland dürfte
nach vorläufigen Berechnungen von 2006 auf 2007 um rund 100.000 auf
2,7 Millionen gestiegen sein. Mangels einer offiziellen Statistik beruht
diese Zahl auf konservativen Schätzungen. Die Logistik ist somit ein
Jobmotor der deutschen Wirtschaft. Ein Indiz für das erreichte Niveau
ist der spezielle Bedarf an hochqualifizierten Logistik-Experten, auf den
die Technische Universität Berlin hinweist. In diesem Teilarbeitsmarkt
der Logistik sind im Moment Wachstumsraten von rund 20 Prozent zu beobachten.
"Logistik ist integraler Bestandteil nahezu sämtlicher Wirtschaftsprozesse.
Sie ist somit einerseits omnipräsent und andererseits oftmals hinter
Produkten und Prozessen verborgen, die durch sie erst möglich werden",
so Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands der
BVL und als Vorsitzender des Vorstands der Knorr-Bremse AG auch Experte
für die logistischen Abläufe in der Industrie.
Ein Blick auf die Rahmenbedingungen zeigt die komplexe Welt, in der Unternehmen
sich derzeit bewegen: Dynamische Märkte, differenzierte Kundenbedürfnisse,
steigende Rohstoffpreise und schwankende Wechselkurse. - Kaum eine Einflussgröße
im komplexen Geflecht der unternehmerischen Beziehungen ist heute noch zuverlässig
vorhersagbar. In diesem Umfeld Effektivität, Effizienz und ein stabiles
Wachstum zu erzeugen, stellt für Unternehmen und Volkswirtschaften
gleichermaßen die Herausforderung der Zukunft dar. Klinkner: "Im
Umgang mit dieser Herausforderung hat sich die Logistik als entscheidendes
Erfolgskriterium herausgebildet. Wer in der Logistik und der mit ihr eng
verbundenen IT Know-how, Technologieführerschaft und Innovationskraft
mitbringt, sichert seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig. Ganzheitliche
Konzepte erschließen Potenziale und sichern oder schaffen Arbeitsplätze.
Logistik ist nicht zu unterschätzen!"
Aus Sicht des Handels berichtete Christian Berner, Vorsitzender der
Geschäftsführung von Lekkerland. "Um die Konsumentenbedürfnisse
jederzeit zu befriedigen, ist es Aufgabe von Convenience-Spezialisten wie
Lekkerland, die Supply Chain permanent zu optimieren - bei stetig sinkendem
Einsatz von Ressourcen, Zeit, Geld und Emissionen. Die Supply Chain ist
nie statisch und die optimale Bestandsführung erfordert die Antizipation
sehr variabler Einflussfaktoren. Es geht darum, einerseits Out-of-Stock-Situationen
stets zu vermeiden und andererseits die Kapitalbindung zu minimieren. Supply
Chain Management ist deshalb für Großhandelsunternehmen eine
notwendige Unternehmensfunktion", so Berner in Dortmund.
Michael Kubenz, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes
und Inhaber der Kube & Kubenz Internationale Spedition- und Logistikgesellschaft
mit Sitz in Hamburg, ging auf den Fachkräftemangel ein: "Es fehlen
neben gut ausgebildeten Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistung,
Logistikern und Informatikern zuverlässige und flexible Mitarbeiter
für die Basisleistung Transport, Umschlag und Lagerung. Gerade die
jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit von März 2008
belegen es: 13.000 offene Stellen für Kraftfahrzeugführer und
13.000 für Mitarbeiter im Lager- und Transportbereich sind gemeldet.
Unter den Top Ten gehören sie zu den meist gesuchten Arbeitnehmern."
Forschung und Lehre war auf dem Podium der Pressekonferenz durch Prof.
Dr. Michael ten Hompel repräsentiert, Geschäftsführender
Institutsleiter, Fraunhofer IML, Dortmund. "Logistikforschung ist eine
spannende Disziplin, die vieles in Bewegung bringt", so der Wissenschaftler.
Die Bedeutung der Logistik als Wirtschaftsfaktor und Jobmaschine trete immer
klarer zutage und damit die hervorragenden Berufsaussichten. "Logistikforschung,
Wissenschaft und Wirtschaft stehen vor beträchtlichen Aufgaben und
vor großen Chancen. Schon heute konkurrieren Unternehmen aller Branchen
bei der Suche nach dem akademischen Logistiknachwuchs. Neben dem quantitativen
Wachstum ist auch eine qualitative Entwicklung gefordert", so das Fazit
ten Hompels.